Marketing10. September 2026

Lohnen sich MyHammer und Blauarbeit noch für Ihren Handwerksbetrieb?

Vermittlungsportale wie MyHammer oder Blauarbeit liefern schnell Kontakte, erzeugen aber fast immer Preiskämpfe mit mehreren Mitbewerbern gleichzeitig. Ein eigener digitaler Anfrageweg kostet am Anfang mehr Aufbauzeit, bringt Ihrem Betrieb aber exklusive Anfragen mit deutlich höheren Margen. Wer langfristig solide Aufträge sucht und nicht über den billigsten Stundensatz verkaufen will, baut sich schrittweise von Plattformen unabhängig.

Was Portale wie MyHammer und Blauarbeit tatsächlich liefern

Portale zur Auftragsvermittlung basieren auf einem einfachen Prinzip. Ein Auftraggeber stellt ein Vorhaben ein. Mehrere Betriebe bewerben sich auf denselben Auftrag oder zahlen Geld dafür, die Kontaktdaten überhaupt einsehen zu dürfen.

Das klingt zunächst bequem. Sie müssen sich nicht um Marketing kümmern, Sie brauchen keine eigene Werbung schalten und das Portal liefert scheinbar fertige Baustellen frei Haus. Für Betriebe, die gerade neu gegründet haben oder kurzfristig ein Loch im Kalender stopfen müssen, kann das kurzfristig Arbeit sichern.

In der Praxis zahlen etablierte Betriebe dafür jedoch einen hohen Preis. Der Kunde auf solchen Plattformen hat gelernt, Angebote primär über den Preis zu vergleichen. Wer dort anfragt, will selten den Meisterbetrieb mit 20 Jahren Erfahrung im anspruchsvollen Innenausbau. Er sucht meistens die schnellste und günstigste Lösung für ein akutes Problem. Wer dort anbietet, konkurriert sofort mit vier bis zehn anderen Firmen.

Warum Handwerksbetriebe auf Plattformen oft Geld verbrennen

Die Kosten von Vermittlungsportalen verstecken sich oft an zwei Stellen: in den Gebührenmodellen und in der Arbeitszeit Ihres Büros.

Monatliche Grundgebühren und Kontaktkosten

Früher gab es auf vielen Plattformen reine Provisionsmodelle. Heute arbeiten die meisten Anbieter mit Mischmodellen. Sie zahlen eine feste monatliche Grundgebühr, oft gebunden an Jahresverträge. Dazu kommen Gebühren für jeden einzelnen Kontakt, den Sie freischalten, oder Gebühren pro abgegebenem Angebot.

Ob der Kunde ans Telefon geht, ob er überhaupt noch sucht oder ob er das Projekt längst abgesagt hat, spielt für das Portal keine Rolle. Die Gebühr für den Datensatz ist weg. Das Risiko liegt komplett bei Ihrem Betrieb.

Der unbezahlte Aufwand im Büro

Rechnen Sie die Zeit ein, die Sie oder Ihr Bauleiter für die Bearbeitung dieser Kontakte aufwenden. Sie sichten Beschreibungen, die oft unvollständig sind. Sie telefonieren Kunden hinterher, die nicht abheben. Sie schreiben detaillierte Kostenvoranschläge, nur um später zu hören, dass ein Einzelkämpfer ohne Mitarbeiter die Arbeit für die Hälfte des Preises anbietet.

Wenn Ihr Meister drei Stunden am Schreibtisch sitzt, um Angebote für fünf Plattform-Kunden zu schreiben, und daraus null Aufträge entstehen, hat dieser Nachmittag Ihren Betrieb 150 bis 250 Euro an reiner Arbeitszeit gekostet. Diese versteckten Kosten tauchen auf keiner Plattform-Rechnung auf, belasten aber Ihre Monatsbilanz spürbar.

Der direkte Vergleich: Portale gegen ein eigenes Anfrage-System

Ein eigenes System bedeutet: Interessenten kommen über Ihre eigene Internetseite, tragen sich dort strukturiert ein und landen direkt in Ihrem Betrieb. Niemand sonst bekommt diese Daten. Sie sprechen alleine mit dem Kunden.

KriteriumMyHammer / BlauarbeitEigenes Anfrage-System
Exklusivität3 bis 8 Wettbewerber pro Anfrage100 % exklusiv bei Ihrem Betrieb
KundenfokusStark preisgetrieben, sucht das BilligsteSucht Fachbetrieb, Qualität und Zuverlässigkeit
Monatliche Fixkosten80 bis 300 € Grundgebühr plus KontaktgebührenEinmalige Erstellung plus geringe Serverkosten
Kosten pro Kontakt15 bis 60 € pro DatensatzSinkt mit der Zeit durch feste regionale Sichtbarkeit
Abschlussquote10 bis 20 % (Erfahrungswert Handwerk)40 bis 65 % (Erfahrungswert Handwerk)
AbhängigkeitHoch (Portal bestimmt Regeln und Preise)Null (Die Website gehört komplett Ihrem Betrieb)
Marge pro AuftragGeringer durch direkten PreisdruckNormal bis hoch nach betriebseigener Kalkulation

Wer seine regionale Sichtbarkeit stärken möchte, sieht im Artikel über Handwerker-Marketing im Landkreis Donau-Ries, wie regionale Betriebe konkrete Anfragen generieren, ohne sich auf Plattformen verlassen zu müssen.

Rechenbeispiel: Was kosten 10 fertige Aufträge wirklich?

Betrachten wir einen typischen Maler- oder Trockenbaubetrieb mit 6 Mitarbeitern. Ziel sind 10 realisierte Aufträge mit einem durchschnittlichen Auftragsvolumen von 4.500 Euro netto.

Weg A: Kauf über Vermittlungsportale

  • Abschlussquote auf dem Portal: 15 % (Erfahrungswert bei starkem Wettbewerb)
  • Benötigte Anfragen für 10 Aufträge: ca. 67 Anfragen
  • Kosten pro freigeschaltetem Kontakt: 35 Euro
  • Reine Plattformkosten für Kontakte: 67 × 35 Euro = 2.345 Euro
  • Grundgebühr für 3 Monate Portalnutzung: 3 × 120 Euro = 360 Euro
  • Büroaufwand: 67 Kontakte sichten und 40 Vor-Ort-Termine bzw. Angebote kalkulieren. Zeitaufwand ca. 50 Stunden. Bei internen Kosten von 45 Euro pro Stunde: 2.250 Euro
  • Gesamtaufwand Weg A: 4.955 Euro (entspricht 495,50 Euro pro gewonnenem Auftrag)
  • Dazu kommt: Die Aufträge wurden wegen der Konkurrenz oft mit Rabatten kalkuliert.

Weg B: Gewinnung über das eigene System

  • Abschlussquote bei exklusiven Interessenten: 50 %
  • Benötigte Anfragen für 10 Aufträge: 20 Anfragen
  • Werbekosten oder Aufwand für lokale Sichtbarkeit pro Anfrage: ca. 60 Euro
  • Direkte Kosten für 20 Anfragen: 1.200 Euro
  • Büroaufwand: 20 qualifizierte Anfragen vorfiltern, 12 Angebote schreiben. Zeitaufwand ca. 18 Stunden. Bei internen Kosten von 45 Euro pro Stunde: 810 Euro
  • Gesamtaufwand Weg B: 2.010 Euro (entspricht 201,00 Euro pro gewonnenem Auftrag)
  • Ergebnis: Die Aufträge wurden zum regulären Stundensatz ohne Preisdruck verkauft.

Dieses Rechenbeispiel zeigt den Unterschied. Selbst wenn ein eigener Kontakt auf den ersten Blick teurer wirkt als ein billiger Datensatz von der Resterampe eines Portals, spart die höhere Abschlussquote bares Geld und schont die Nerven im Büro.

Warum gute Kunden selten auf Vermittlungsbörsen suchen

Eigenheimbesitzer mit einem Sanierungsbudget von 40.000 Euro oder Bauherren für hochwertige Bäder gehen selten auf Plattformen, um dort eine Auktion für das billigste Angebot zu starten. Diese Auftraggeber fragen im Bekanntenkreis oder suchen direkt bei Google nach einem zuverlässigen Fachbetrieb in der Region.

Wenn dieser Kunde Ihre Internetseite findet, möchte er drei Dinge sehen:

  1. Saubere Bilder von echten Baustellen aus seiner Umgebung
  2. Eine klare Auskunft darüber, für welche Arbeiten Sie der richtige Partner sind
  3. Einen einfachen Weg, das Vorhaben mit Maßen und Bildern direkt einzureichen

Findet er das, stellt er eine Anfrage nur an Sie. Er vergleicht Sie dann nicht mit fünf Billiganbietern, sondern prüft, ob die Chemie stimmt und ob Ihr Betrieb zuverlässig wirkt. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wer hinter dieser Einschätzung steht und wie wir solche Abläufe für Handwerksbetriebe planen, lesen Sie mehr unter Über mich – Jakub Kaczmarek.

Was das für Ihren Betrieb heißt: 3 Schritte zur Unabhängigkeit

Niemand muss sein Portal-Konto von heute auf morgen löschen, wenn es gerade laufende Löcher stopft. Der Ausstieg sollte geplant und schrittweise erfolgen.

Schritt 1: Messen Sie Ihre reale Abschlussquote auf den Portalen

Nehmen Sie sich an einem Freitag eine halbe Stunde Zeit. Öffnen Sie die Rechnungen der Portale der letzten sechs Monate. Zählen Sie nach, wie viele Kontakte Sie bezahlt haben. Zählen Sie dann nach, wie viele Rechnungen Sie an diese Kunden tatsächlich gestellt haben. Rechnen Sie Ihren Stundeneinsatz gegen. Wenn der Ertrag nach Abzug aller Kosten unter Ihrer normalen Betriebsmarge liegt, reduzieren Sie Ihr Portal-Budget.

Schritt 2: Bauen Sie ein klares Vorfilter-Formular auf Ihrer eigenen Website

Ersetzen Sie das klassische Kontaktformular mit den Feldern Name, Telefonnummer und Freitext. Ein gutes Anfrage-System fragt den Kunden schon vor dem ersten Anruf nach Art der Arbeit, Zeitraum, Postleitzahl und Budget. Unpassende Anfragen sortieren Sie damit aus, bevor jemand im Büro den Hörer in die Hand nimmt. Das spart täglich Zeit.

Schritt 3: Nutzen Sie Bewertungen und Referenzen auf Ihren eigenen Kanälen

Auf Portalen sammeln Sie Sterne für das Portal. Gehen Sie dort weg, sind Ihre Bewertungen verloren. Bitten Sie zufriedene Kunden stattdessen konsequent um eine Bewertung auf Ihrem eigenen Google-Unternehmensprofil. Zehn echte, ausführliche Kundenstimmen dort bringen Ihrem Betrieb mehr wertige Anrufe als 50 Bewertungen auf einer Vermittlungsseite.

Fazit: Verlassen Sie den Preiskampf

Wer als Handwerksmeister dauerhaft die besten Baustellen in seiner Region bedienen will, darf seine Kundengewinnung nicht an Plattformen auslagern, die von Preiskämpfen leben.

Prüfen Sie jetzt, wie viele wertvolle Anfragen Ihnen über Ihre eigene Website aktuell entgehen und wie Sie sich unabhängig von Portalen machen: Nutzen Sie den Anfragen-Check in 20 Minuten.

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